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Der Wortbruch und seine Folgen

Sie hat ihr Wort gebrochen, das gibt Clara Woltering offen zu: "Und es macht mir auch sehr zu schaffen, denn so bin ich eigentlich nicht." Die Handball-Nationaltorhüterin ist von der alten Schule, da hat ein Wort noch Gewicht.

Sagt Clara Woltering. Sie ist eine einzige große Enttäuschung und folgt einzig und allein dem Lockruf des Geldes. Sagt ihre Trainerin Renate Wolf.

Nach elf gemeinsamen Jahren verlässt Clara Woltering "auf der Suche nach einer neuen sportlichen Herausforderung" den Bundesligisten Bayer Leverkusen in Richtung Montenegro zum HC Podgorica - und es ist nicht gerade eine einvernehmliche Trennung. Im Februar hat die Spielerin den Verantwortlichen ihre Zusage für die neue Saison gegeben, doch dann "ist das, was wir besprochen haben, nicht eingehalten worden", sagt Woltering.

"Wir waren uns über alle Vertragsinhalte einig, nur die Ausgestaltung der Vier-Tage-Woche sollte noch abschließend besprochen werden. Wir können unseren Trainingsplan doch nicht nur den Bedürfnissen von Clara anpassen", sagt Renate Wolf. Um sportliche Herausforderungen und Perspektiven sei es im Dialog mit der Torhüterin übrigens nie gegangen.

Die Regelung von Training und Freizeit ist der Knackpunkt. Woltering will ihre Woche so gestalten, dass sie den Montag grundsätzlich frei hat. In Kürze wird die diplomierte Landwirtin den elterlichen Hof in Westfalen übernehmen, und sie braucht Zeit, um sich dieser Aufgabe zu widmen. "Wir haben doch immer auf ihre Wünsche Rücksicht genommen", sagt Renate Wolf: "Für ihre beruflichen Fortbildungs-Maßnahmen hat sie jederzeit bezahlten Urlaub gekriegt. Man hätte das einfach von Monat zu Monat neu besprechen müssen."

Die Fronten scheinen verhärtet. "Sie war 16 Jahre alt, als sie zu uns gekommen ist", sagt Wolf: "Wir haben sie zur Nationalspielerin gemacht, da muss ich mich doch auf ihr Wort verlassen können." Woltering weiß, wie groß die Enttäuschung in dem Verein ist, der ihr "wirklich, wirklich ans Herz gewachsen" ist. Dass es ums Geld geht, bestreitet sie energisch: "Ich hätte in den letzten Jahren genügend gut dotierte Mögklichkeiten gehabt. Ich bin immer geblieben, weil der Verein, die Mannschaft, die Fans mir wichtig waren."

Und wohl auch immer noch sind, denn Woltering hat sich in aller Öffentlichkeit für den kurzfristigen Abschied entschuldigt: "Ich habe das alles so nicht gewollt, ganz bestimmt nicht." Warum hat sie es dann getan, das fragt sich nicht nur Renate Wolf: "Wir haben Clara elf Jahre lang alles ermöglicht. Als sie in der Ausbildung frühmorgens auf dem Hof gearbeitet hat, haben wir sie abends beim Training oft genug nach Hause geschickt, sie hat immer alle Freiheiten gehabt." Mit dem Ergebnis, dass der Verein sechs Wochen vor Trainingsbeginn ohne Nummer eins dasteht. "Das ist eine Riesen-Baustelle", sagt Bundestrainer Heine Jensen: "Eine wirklich schwierige Situation für eine Mannschaft."

Derweil hat Andreas Thiel, einst der Hexer im deutschen Tor und als Abteilungsleiter in Leverkusen unter anderem für das Training der Torhüterinnen verantwortlich, die Nachfolgerin schon im Visier. "Der Zeitpunkt ist unglücklich, aber niemand ist unersetzlich", sagt der Mann, der Woltering im täglichen Training zur Weltklassespielerin formte: Eine gute Mannschaft ist immer die Summe vieler Teile." Der Star ist das Team, und deshalb setzt Thiel auf die junge Laura Glaser, die "wir ja nicht umsonst vor zwei Jahren geholt haben. Sie wird ihren Weg machen."

Autor: Sportinformationsdienst SID