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In Wien war der Sport fast Nebensache

Renate Wolf sollte die VIP-Tribüne verlassen, Zeitnehmer und Sekretär trugen Hypo-Fanshirts, und vor allem gab es keinen medizinischen Dienst, keinen Sanitäter, der sich um die nach einem Zusammenprall mit einer Hypo-Angreiferin

am Boden liegende Naiara Egozkue Extremado gekümmert hätte. Die Spanierin wurde letztlich von zwei der mitgereisten Leverkusener Sponsoren auf einem Biertisch (!!) vom Platz getragen. Das war endgültig zuviel, Natalie Hagel flippte völlig aus, Trainerin Heike Ahlgrimm hatte alle Mühe, ihre Torhüterin zu bremsen.

Währenddessen versuchte Delegationsleiterin Jutta Ehrmann-Wolf, ebenfalls außer sich vor Zorn, in einer hoffnungslosen Diskussion mit den vollkommen überforderten Schiedsrichtern und den Wiener Offiziellen Hilfe für ihre Spielerin zu bekommen, die nach einem Check in den Magen ernsthafte Probleme hatte. Kurzum: Was sich Hypo NÖ als "Gastgeber" in den beiden Spielen des Europapokal-Achtelfinales gegen Bayer Leverkusen so alles leistete, war eines Champions-League-Rekordsiegers unwürdig. "Ich war beispielsweise sehr verwundert, dass ein so renommierter Verein wie Hypo, der seit 20 Jahren auf europäischer Ebene sehr erfolgreich unterwegs ist, Sportlern unmittelbar vor einem Spiel grüne Bohnen, Tafelspitz und Röstis serviert", sagte Jutta Ehrmann-Wolf.

Renate Wolf war nach all den Widernissen "stolz auf unsere Mannschaft, die sich in dieser Atmosphäre der Ablehnung und Missachtung einfachster Umgangsformen beachtlich aus der Affäre gezogen hat". Die Geschäftsführerin sollte nach angeblich zu vielen Emotionen ebenso ihren Platz auf der VIP-Tribüne am Sonntag verlassen wie die mitgereisten Sponsoren - allesamt im Besitz einer Karte für die VIP-Loge. Als sich die Elfen-Delegation dagegen wehrte, bekam man einen Aufpasser zur Seite gestellt.

Handball wurde natürlich auch gespielt, und trotz der beiden Niederlagen (27:31 und 25:27) dürfen die Elfen erhobenen Hauptes nach Hause fahren. Dem großen Favoriten, der in nicht zu überbietender Arroganz schon am Freitag offen vom Wunschfinale gegen den Thüringer HC sprach, bot das Team von Trainerin Heike Ahlgrimm auch ohne die nach wie vor pausierende Nationalspielerin Kim Naidzinavicius und die von einer Grippe geschwächte Joyce Hilster (kam erst in den letzten Minuten für Naiara Extremado ins Spiel) erbittert Paroli. Kapitän Laura Steinbach erzielte insgesamt 16 Treffer und stand damit Hypos gefeierter Welthandballerin Alexandra do Nascimento (insgesamt 17) in nichts nach. Neben ihr im Rückraum waren Ruta Latakaite-Wllig und Denisa Glancovicova permanent für Tore gut und konnten von der Hypo-Abwehr kaum kontrolliert werden. Eine starke Leistung boten auch Natalie Hagel und Valentyna Salamakha, die sich im Tor der Elfen abwechselten und stets dafür sorgten, dass sich Hypo nicht früh absetzen konnte.

Am Ende war es keineswegs ein Klassenunterschied, es waren vielmehr ein paar schnelle Konter der Wienerinnen über die stets brandgefährliche und pfeilschnelle Do Nascimento und ein paar ausgelassene Elfen-Chancen, die den Ausschlag zugunsten von Hypo gaben. Sechs Tore Differenz nach zwei Spielen sind ein mehr als achtbares Ergebnis. "Wenn wir so in der Bundesliga weiterspielen, dann zweifle ich nicht an einer guten Platzierung für die Play-off-Runde", sagte Renate Wolf.

Am Ende ließen die Elfen ein in vielerlei Hinsicht denkwürdiges Wochenende mit einem gemeinsamen Abendessen in einem gemütlichen italienischen Restaurant ausklingen. Ein Bankett, so wie nach einem Europapokal-Spiel eigentlich üblich, gab es nicht. Es passte ins Bild, das Hypo an diesem Wochenende abgab: Fragwürdig, merkwürdig - und vor allem unwürdig.

TSV Bayer Leverkusen - Hypo NÖ 25:27 (11:13)

Leverkusen: Hagel, Salamakha
Steinbach 7, Glankovicova 5, Zapf 5, Comans 3, Latakaite-Willig 3, Egozkue Extremado 2, Adams, Egger, Hilster, Jörgens, Naidzinavicius, Seidel

Hypo NÖ: Arenahrt, Blazek
Do Nascimento 7, Franca da Silva 6, Diniz 4, Cavaleiro 4, Temes 3, Rodrigues 2, Acimovic 1, De Souza, Dedic, Fier de Moura, Kaiser, Mauler

Hinspiel: 27:31
Gesamt: 52:58