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Der Sieger der Herzen - Leverkusens "Kindergarten" fehlt in Buxte nur ein Tor

Renate Wolf hatte Mühe, ihre Stimme und ihre Gedanken zu ordnen. "Ich habe ein paar Minuten gebraucht, um emotional runterzukommen", sagte die Cheftrainerin der Leverkusener Handball-Elfen, sichtlich bewegt von den vergangenen 60 Minuten: "Meine Mannschaft hätte heute mehr verdient." Mehr als die knappe 27:28 (15:15)-Niederlage beim Tabellenführer Buxtehuder SV, dessen Trainer Dirk Leun ebenfalls deutlich gezeichnet war: "Ich bin sehr, sehr froh über diesen Sieg."

Lange hatten die jungen Elfen dem großen Favoriten Paroli geboten, auch das 28:27 durch Randy Bülau 96 Sekunden vor dem Ende schien noch nicht das Ende aller Träume zu sein, doch dann scheiterte Assina Müller 45 Sekunden vor dem Abpfiff von Linksaußen an der überragenden BSV-Torfrau Julia Grönemann - und der Favorit spielte die verbleibende Zeit cool herunter.

Das fünfte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in dieser Saison war an Spannung und Dramatik kaum zu übertreffen. Gerade mal 48 Sekunden waren gespielt, da erwischte es Leverkusens Routinier Anne Jochin. Von hinten flog ihr eine Gegenspielerin ans Knie, Jochin blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen und musste von der Platte getragen werden. "Kreuzbandriss" lautete die erste Diagnose von Buxtes Mannschaftsarzt, am Montag soll eine Untersuchung bei Professor Höher in Köln genauen Aufschluss über die Art der Verletzung geben. Für Jochin war das Spiel beendet, es wäre der zweite Kreuzbandriss einer Leverkusener Spielerin in Buxtehude, nachdem es vor einem Monat bereits Natalie Adeberg in der "Hölle Nord" erwischt hatte.

Renate Wolf musste also improvisieren, und sie zog alle Register. Pia Adams, Ramona Ruthenbeck, Anna-Maria Spielvogel, Elisa Burkholder, Johanna Heldmann, Anna Seidel - zeitweise stand mit Ausnahme der großartigen Torhüterin Valentyna Salamakha eine Mannschaft mit einem Altersdurchschnitt von 19,6 Jahren auf der Platte. Und sie schlug sich bravourös, perfekt eingestellt von einer Trainerin, die fast alle im Handball denkbaren Situationen bereits erlebt und durchlebt hat. "Ich bin", sagte die eigentlich eher sachlich-nüchterne Renate Wolf mit deutlich belegter Stimme, "sehr, sehr, sehr stolz auf diese jungen Spielerinnen. Wir müssen keine Angst vor der Zukunft haben, diese jungen Leute werden ihre Lehren aus dem heutigen Spiel ziehen, sie werden daran wachsen." 

Wie zum Beispiel Linkshänderin Johanna Heldmann, die vor allem in der ersten Hälfte über sich hinauswuchs und mit sieben Treffern erfolgreichste Werferin der Elfen war. Oder Jeje Rode, ebenfalls erst 19 Jahre alt und in vielen Situationen schon abgeklärt wie ein alter Hase, oder die unermüdlich rackernde Anna Seidel oder die immer mehr auf Bundesliga-Niveau heranwachsende Pia Adams, die es immer und immer wieder versuchte, obwohl sie von der robusten Buxtehuder Deckung nicht unbedingt zart in die Mangel genommen wurde. "Ich hatte es mir nicht so schwer vorgestellt", sagte Dirk Leun, und die Erleichterung war ihm deutlich anzusehen.

Am kommenden Wochenende geht es für die Elfen weiter, am Ostersonntag ist Frisch Auf Göppingen zu Gast in der Smidt-Arena (5. April/16.00 Uhr). Bis dahin steht auch die endgültige Diagnose für Anne Jochin fest. Gut möglich, dass die Jungen wieder ran müssen.

Buxtehuder SV - Bayer Leverkusen 28:27 (15:15). - Tore für Leverkusen: Heldmann (7), Rode (6), Naidzinavicius (5), Seidel (4), Adams (3), Müller (2)